Ein "großer Sohn" Döringstadts: Pater Rudolf Lunkenbein

Am 10. Juli 2007 wurde in der Döringstadter Pfarrkirche St. Martin der Gedenktag zum 30. Todestag von Pater Rudolf Lunkenbein begangen. Erzbischof Dr. Ludwig Schick zelebrierte den Gottesdienst. Es war der 30. Todestag eines Missionars, Märtyrers und Glaubenszeugen Lateinamerikas, der sein Leben in den Dienst Gottes stellte und in christlicher Nächstenliebe für die Bororo Indianer, seine Freunde, starb.

Schon als Junge hatte er den Traum, Missionar zu werden

Rudolf Lunkenbein wird am 01. April 1939 in Döringstadt geboren. Schon als kleiner Junge hat er den Traum, Priester, Missionar zu werden. Nach seinem Ordenseintritt bei den Salesianen Don Boscos verwirklicht sich 1958 der große Wunsch: Sein Noviziat absolviert er in der Nähe von Sao Paulo. Ab Februar 1963 begeht er ein Praktikum in Merúri (Region Mato Grosso, Brasilien). Dort arbeitet er unter anderem an der Missionsstation und gibt Schulunterricht. Dieser Ort und diese Menschen ziehen ihn so an, dass er später wieder dorthin zurückkehren will. 1965 geht Rudolf Lunkenbein zurück nach Deutschland, um sein Studium zu beenden. In Benediktbeuern, wo er Theologie studierte, feiert er am 29. Juni 1969 seine Priesterweihe, die anschließende Primiz in der Heimatgemeinde Döringstadt am 06. Juli 1969.

Zurück, um zu helfen

Doch schnell kehrt Pater Lunkenbein zurück nach Merúri, zurück zu den Bororo Indianern, die ihm ans Herz gewachsen sind, zurück zu den Menschen, die seine Hilfe notwendig brauchen.

Nachdem die Bororos viele Landstreitigkeiten über Land, das ursprünglich ihnen gehörte, gegenüber weißen Großgrundbesitzern verloren hatten, wollten sie aussterben. Pater Lunkenbein gibt dem Leben der Indianer wieder einen Sinn: er bringt ihnen moderne Landwirtschaft bei, errichtet ein Wasserkraftwerk und kann die Frauen überzeugen, nicht mehr den empfängnisverhütenden Saft einer Pflanze aus dem Urwald zu trinken.

Pater Lunkenbein wird als ein Vertreter der "Theologie der Befreiung" angesehen. Gerade der Einsatz für die Armen ist essentiell. Nach dem Dreischritt "Sehen - Urteilen - Handeln" hilft er den Bororos: Hilfe zur Selbsthilfe.

Erster und einziger weißer Indianerhäuptling

Er wird in den Stamm der Bororo Indianer aufgenommen, wird der erste und einzige weiße Häuptling bei Indianern, er ist als Bruder der Indianer akzeptiert und geachtet. 1973 wird der "Indianerpater" in den brasilianischen Missionsrat für Indianerfragen (CIMI) gewählt, zwei Jahre später Mitglied der staatlichen Indianerschutzbehörde FUNAI.

Das Hauptanliegen Pater Lunkenbeins war es jedoch, den Indianern ihr rechtmäßiges Land zurückzugeben. Weiße Großgrundbesitzer hatten dieses den Bororos ohne Recht enteignet. Am 14. Juli 1976 ist die Vermessung des Landes durch die staatlichen Behörden abgeschlossen.

Ermordet im Einsatz für seine Bororos und für seinen Glauben

Durch diese Maßnahmen gerät der Döringstadter ins Visier der Rancheros. Er ist ihnen ein Dorn im Auge. Deshalb überfallen am Nachmittag des 15. Juli 1976 Großgrundbesitzer und Auftragsmörder die Missionsstation mit nur einem Ziel: Pater Rudolf Lunkenbein wird von ihnen hinterhältig erschossen.

Pater Rudolf Lunkenbein ist Märtyrer und Glaubenszeuge Lateinamerikas. Sein Leben kann noch heute Vorbild für viele Menschen sein. Seine christliche Lebensweise darf und wird nicht vergessen werden. Sein Leben ganz in den Dienst der Armen zu stellen, kann auch für uns Anregung sein, zurück zu den christlichen Werten der Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft und Verzeihung zu finden.