Mission heute: Schwester Aloysia

Dem "Ruf im Ruf" gefolgt

Ein Bildchen mit einem Gebet ließ sie den ersten Schritt machen. Das schenkte Luitgard Maria Zellmann als Kind ein Pallottinerpater aus Untermerzbach. Auf dem Gebetskärtchen stand, dass sie Gottes Weg für sich erkennen solle. Immer, sagt sie, habe sie es bei sich getragen und gebetet. Auf den ersten folgten viele weitere Schritte. Seit nunmehr 47 Jahren ist Schwester Aloysia missionarisch in Südafrika tätig. Im Herbst 2008 besuchte die gebürtige Döringstadterin im Heimaturlaub ihre Familie.

Die Mission als "Gottes Traum für mich"

1941 wird sie in Döringstadt geboren. Schon als Kind wird sie von den Pallotinern aus Untermerzbach beeinflusst, besuchten die doch Döringstadt stets zur Martini-Kirchweih und weilten zum Mittagessen bei Familien. Die Pallottinerfratres nämlich sind auch missionarisch tätig. Und da reift der Wunsch, in der Mission irgendwo weiter weg zu arbeiten. "Gottes Traum für mich", ist sie überzeugt. Oft spricht Schwester Aloysia von diesem "Traum Gottes". Es ist, als ziehe er sich durch ihr ganzes Leben, als begleite er sie auf ihrem Weg. Es ist, als verwirkliche er sich durch ihre lebensfrohe, Hoffnung stiftende, fröhliche Art. Mit 16 Jahren nimmt sie an einer Jugendfahrt mit dem damaligen Dörinstadter Pfarrer Johann Vitzthum teil. Vielleicht ist es Vorsehung, vielleicht ein Funke in "Gottes Traum", dass durch ein Missgeschick nur die Jungen in der Jugendherberge in Benediktbeuern Platz finden, die Mädchen aber mitten in der Nacht ins benachbarte Schlehdorf gehen müssen, um im Kloster der Missionsdominikanerinnen um Unterkunft zu bitten. Sofort ist sie beeindruckt von der Gastfreundschaft, der Freundlichkeit, dem weißen Habit der Schwestern und den weiten, hellen Gängen. Vielleicht ist es wieder eine Stück aus "Gottes Traum", dass sie auf einem dieser Flure eine Wandkarte mit dem Tätigkeitsfeld der Dominikanerinnen sieht. Auch Südafrika ist eingezeichnet, denn das Mutterhaus der "King William's Town Dominicans" ist dort. "Wenn ich ins Kloster gehe, dann nach Schlehdorf. Damals war es noch ein 'wenn'. Zwei Jahre später wusste ich: Das ist mein Weg."

"Voller Begeisterung und Überzeugung" in Südafrika

Mit 18 Jahren tritt sie dort ins Kloster ein. "Ich war voller Begeisterung und Überzeugung." Ihre Erste Profess legt sie am 5. August 1961 noch in Deutschland ab, ihre Ewige Profess am gleichen Tag sechs Jahre später in Südafrika. Denn dorthin reist sie im September 1962 mit acht anderen jungen Schwestern. "Von Anfang an stand fest: Ich möchte in die Mission. Es war ein Ruf im Ruf." In Fort Beauford knüpft sie erste Kontakte zu Land und Leuten, lernt das Ordensleben kennen und studiert nach dem Abitur in Johannesburg Mathematik, Physik, Chemie und Biologie für Lehramt. 19 Jahre unterrichtet sie an drei Klosterschulen; schon im Noviziat in Deutschland hatte sie dafür Englisch und Afrikaans erlernt.

Hoffnung geben, Mut machen, helfen

Die "Freude am Leben und Dankbarkeit für vieles Schöne und Gute" zeichnet die Dominikanerschwestern aus. Auch Schwester Aloysia. Auch, wenn man mit den Problemen der Gesellschaft konfrontiert wird. Hoffnung geben, Mut machen, helfen. Während der elf Jahre als Schulleiterin in Witbank entscheidet sich die Kongregation, folgenden Problemen zum Trotz, gegen die Regierung und die herrschende Apartheid vorzugehen und Schule für Kinder aller Rassen zu öffnen. Als 1994 mit den ersten demokratischen Wahlen die Apartheid offiziell abgeschafft wird, dienen die Klosterschulen als Vorbild für die staatlichen.

18 Jahre Leiterin der Kongregation der Dominikanerinnen

Dass sie 1986 im Generalsrat in Johannesburg zur Leiterin der Kongregation der Dominikanerinnen gewählt wird, hätte sie sich sicher nicht träumen lassen. 18 Jahre leitet sie deren Geschicke weltweit; heute noch ist sie im Regionalrat. Hauptanliegen des Teams: "die dominikanische Spiritualität in unserer Zeit" und die Sorge um die Bewahrung der Schöpfung.

Mit anderen zusammen "die größere Wahrheit suchen"

Das ist das, was sie die ganzen 47 Jahre in Südafrika getan hat und seit Februar 2005 in East-London tut. Mit anderen zusammen "die größere Wahrheit suchen", das Welt- und Gottesbild zum Ausdruck im Alltagsleben bringen. Trotz der Probleme. Trotz des Kampfes gegen die Apartheid, die "im Inneren der Menschen" weiterlebt. Trotz der Gewalt, die in der Gesellschaft und auf den Straßen herrscht. Trotz der Kluft zwischen Arm und Reich. Trotz den Problemen, mit denen Arme in Schul- und Gesundheitswesen, bei Wohnungs- und Arbeitssuche kämpfen.

Projekte

Verschiedene Projekte der Schwestern setzen da an, vor allem finanziert durch Spenden aus Deutschland. In einem Kindergarten der Dominikanerinnen etwa, kochen Frauen mit einer Schwester zusammen tagtäglich für 2500 Kinder. Die Zukunft von Aidswaisen, die oft selbst Haupt einer Familie sind, Selbsthilfeprojekte um Fort- und Weiterbildungen von Frauen und die Jugendarbeit stehen zentral. Um die Jugendarbeit will sich Schwester Aloysia in den nächsten Jahren ganz besonders kümmern. Nicht nur Gott will sie ihnen dabei näher bringen. "Gott ist ein liebender, faszinierender, persönlicher aber auch geheimnisvoller." Auch in der Lebenssituation wird angesetzt. Bei der Renovierung eines ehemaligen Klosters außerhalb von King William's Town hin zu einem Treffpunkt für Menschen will sie tatkräftig mithelfen. Und mit Laien, zumeist ehemaligen Schülerinnen, einen Freundeskreis ins Leben rufen, der die dominikanische Spiritualität weiter verbreitet, die Dankbarkeit und Freude, aber auch die Hoffnung und das Vertrauen auf Gott lebendig werden lässt. "Kirche ist nicht nur Gottesdienst, Kirche ist überall", sagt sie.

Sr. Aloysia als "lebendiges und hoffnungsvolles Wort Gottes"

"Der Traum Gottes wird immer größere Wirklichkeit", ist sie überzeugt. "Ich möchte ein lebendiges und hoffnungsvolles Wort Gottes sein und es immer wieder sprechen." Schwester Aloysia vermittelt nicht nur den "Traum Gottes". Sie lebt ihn. Und vielleicht lässt sie durch ihre Art so manch anderen ihr auf ihrem Weg, auf ihrem "Traum Gottes" folgen.

Spendenkonto

Missions-Dominikanerinnen Schleh
Vereinigte Sparkasse Weilheim
BLZ: 703 510 30
Kontonr.: 104 430
Verwendungszweck: Sr. Aloysia